16 February 2026, 08:02

Jahre langer Kampf: Frau fordert Anerkennung ihrer psychogenen Blindheit vor Gericht

Ein altes Daguerreotyp eines Mannes in einem Anzug, der in einem Stuhl sitzt und einen Stock hält, mit einem ernsten Gesichtsausdruck und konzentriertem Blick.

Psychogene Blindheit: Oberverwaltungsgericht prüft Anspruch - Jahre langer Kampf: Frau fordert Anerkennung ihrer psychogenen Blindheit vor Gericht

Eine Frau aus dem Kreis Steinfurt kämpft seit Jahren um die rechtliche Anerkennung ihrer behaupteten Blindheit in Deutschland. Ihr Fall, der 2018 erstmals eingereicht wurde, dreht sich um eine psychogene Erblindung – einen Zustand, bei dem psychische Faktoren zu einem Sehverlust führen, ohne dass körperliche Schäden an den Augen oder Sehnerven vorliegen. Der Streit erreicht nun das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen, das am 27. Februar 2023 die Verhandlung aufnehmen wird.

Die Klägerin hatte zunächst finanzielle Unterstützung sowie einen Schwerbehindertenausweis vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beantragt. Beide Anträge wurden mit der Begründung abgelehnt, dass psychogene Blindheit nicht der gesetzlichen Definition von Blindheit in Deutschland entspreche. Die Entscheidung des LWL stützte sich darauf, dass nach geltendem Recht eine organische Schädigung der Augen Voraussetzung sei.

Das Verfahren zog sich über Jahre hin, verzögert zusätzlich durch die COVID-19-Pandemie. Erst 2022 wurde ein entscheidendes Gutachten der Universität Tübingen vorgelegt, das Widersprüche in ihren Angaben aufdeckte. Untersuchungen zeigten, dass ihr rechtes Auge fast normal funktionierte, während das linke über eine gute Sehkraft verfügte – Befunde, die ihren Berichten über vollständige Erblindung widersprachen.

2023 entschied ein Gericht erster Instanz gegen sie und stellte infrage, ob ihre Erkrankung tatsächlich bestehe, übertrieben werde oder vorgetäuscht sei. Die anstehende Verhandlung vor dem OVG wird die rechtlichen Konsequenzen des Falls prüfen, insbesondere wie psychogene Erkrankungen in die Definition von Behinderung in Deutschland einzuordnen sind. Ein Urteil wird unmittelbar nach der mündlichen Verhandlung erwartet.

Psychogene Blindheit ist medizinisch noch wenig erforscht. Sie tritt oft nach schweren Traumata auf, hinterlässt jedoch keine nachweisbaren körperlichen Schäden an den Augen oder Sehnerven. Die Entscheidung des Gerichts könnte richtungsweisend für ähnliche Fälle in Deutschland werden.

Das OVG-Urteil wird darüber entscheiden, ob die Klägerin Anspruch auf Leistungen nach deutschem Behindertenrecht hat. Das Ergebnis könnte zudem klären, wie psychogene Erkrankungen in künftigen Rechtsstreitigkeiten in Deutschland behandelt werden. Die Entscheidung fällt voraussichtlich noch am Tag der Verhandlung, dem 27. Februar 2023.